Einladung zum Vortrag
von
Dr. Gregor Weimar SVD
Institut Monumenta Serica
am Freitag, den 3. Juli 2026 um 19.00 Uhr
in der Aula des Missionspriesterseminars Sankt Augustin
Arnold-Janssen-Str. 30, 53757 Sankt Augustin
Im späten 18. Jahrhundert entstanden in Peking die ersten Teilübersetzungen der Bibel in die mandschurische Sprache. Der Übersetzer, Louis de Poirot, Jesuit, Hofmaler und Hofübersetzer in Beijing, erstellte diese mit Hinblick auf die katechetische Unterweisung von Mand-schuren durch Mandschuren, dem Volk, dessen Stammesfürst Nurhaci 1644 die Qing-Dynastie begründet hatte.
Diese Bibelübersetzungen veranschaulichen durch ihre redaktionelle Bearbeitung, die Vielzahl an inhaltlichen Annotationen, die chinesisch-literarische Überarbeitung und visuelle Hilfsmittel, wie die jesuitische Methode der Anpassung oder „Akkommodation“ von Poirot angewandt wurde, um die christliche Botschaft der Lebenswirklichkeit der Mandschuren näherzubringen. Dies war ein fast revolutionäres Vorgehen, mit dem sich Poirot über die Autorität der Kirche und des chinesischen Staates hinwegsetzte und die Bibel den mandschu-rischen Konvertiten an die Hand geben wollte, sodass sie auch ohne Unterstützung durch katholischen Klerus ihren Glauben weiterführen könnten.
Zum Referenten: Gregor Weimar SVD ist Mandschurist und Mitglied des Instituts Monumenta Serica und des Steyler Missionswissenschaftlichen Instituts in Sankt Augustin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die katholische Mission, die Geschichte der Qing-Dynastie, die Geschichte des Christentums im China der Qing-Zeit und mandschurische Sprach- und Archivforschung.